Pressereaktionen

In aller Perfektion: Daarler Vocal Consort in der Stiftskirche

Geschrieben von: (pes) in: Saarbrücker Zeitung Nr. 72 – Kultur Regional, Sa./So. 24./25. März 2012 Samstag, den 05. Mai 2012 um 14:25 Uhr

Saarbrücken: Drei Damen und drei Herren – sechs Stimmen genügen, um die Vokal-Polyphonie der Vergangenheit wiederauferstehen zu lassen. Und sie reichen zudem aus, um einen mächtigen Raum klanglich zu füllen. Am Donnerstag gastiert im Rahmen des Tamis-Festivals das „Daarler Vocal Consort“ unter ihrem mitsingenden Leiter Georg Grün in der St. Arnualer Stiftskirche. Das Programm unter dem Motto „Mors et vita duello“ (Tod und Leben im Kampf) enthielt Gesänge aus 400 Jahren (12. bis 16. Jahrhundert) und als Spezialität zusätzlich ein zeitgenössisches Werk des britischen Komponisten Ivan Moody (geboren 1964).

Es begann mit dem 12. Jahrhundert und der frühen Mehrstimmigkeit der Hildegard von Bingen. Geprägt von den hohen Frauenstimmen und wohlproportioniert durch feinfühlige Phrasierung, schwebten die liturgischen Klänge zart in der Akustik des Kirchenschiffs. Ein ätherischer Genuss, zu dem ganz besonders die hohe stimmliche Qualität der Sängerinnen und Sänger beitrug, die Grüns international renommiertem Kammerchor Saarbrücken entstammen. Andere Beispiele damaliger kirchlicher Vokalkunst leiteten über zu den polyphonen Kunstfertigkeiten eines Josquin Desprez (1450-1521), deren stellenweise kühne harmonische Errungenschaften von Komponisten wie William Byrd, John Sheppard, Orlando di Lasso oder John Ward noch geschärft und farbiger ausgemalt wurden.

Die sechs solistisch agierenden Mitglieder des Daarler Vocal Consorts pflegen einen noblen A-Cappella Gesangsstil hochartifizieller Prägung mit allen nur erdenklichen Ansprüchen an Stimmbildung, Technik, Ausdruck oder Artikulation. Das ergibt eine Art Perfektionsstreben, das ihren Stücken den Stempel des Endgültigen, kaum noch Steigerbaren, verleiht. (pes)

 

Himmlische Klangperlen

Geschrieben von: Augsburger Allgemeine Mittwoch, den 15. September 2010 um 01:00 Uhr

Schon die ersten, mustergültig intonierten Töne von Giovanni Palestrinas „Stabat Mater" deuteten an, welche Klasse zu erwarten war. Die warme, sinnlich gestaltete Ausführung, die sowohl in Soli als auch im homogenen Gesamtklang auffällt, gibt manch altbekanntem Repertoire neuen Atem, etwa Max Regers anrührendem „Nachtlied". Zu verdanken sind die angenehmen, gerne „swingenden" Arrangements Georg Grün, der zum 80-minütigen Konzertprogramm auch eigene Werke beitrug, darunter die fabelhafte dreiteilige Komposition „Maranatha".

„Himmel und Erde" sollten sich thematisch und klanglich berühren - aber es sind auch Tradition und Moderne, die hier glücklich zueinanderfinden. Schwebende gregorianische Motive verweben sich mit rhythmischen, geradezu tänzerischen Akkorden. Dieses zu Herz und Ohr gehende Konglomerat verbarg seine kontrapunktische Vertracktheit hinter der Vokalkunst der Interpreten - und gehörte zu den Highlights des Konzerts. Ebenso Grüns anmutiges „Liebeslied", basierend auf Versen von Klabund. Und mit dem tänzerischen Arrangement „Neskatx' ederra" des baskischen Komponisten Xavier Sarasola bekam das Publikum einen vorzüglichen Ohrwurm serviert.

Yvonne Zimmer, Susanne Wagenmann, Maria Rodriguez Luengo, Claudia Ebert, Christoph Klaunick, Alexander Gütinger, Stefan Paul und Georg Grün haben das „Daarler Vocal Consort" 2008 gegründet und sofort mit ihrem Können überzeugt. Konzerte in Italien und Spanien folgten. In Neu-Ulm war es reiner Hörgenuss, der achtköpfigen Truppe beim Weben feinster Klangflächen und sensibel durchgestalteter Klangverläufe zu folgen. Nur eines verdross: dass so wenige Besucher gekommen waren, um dieses Ensemble zu erleben.

 

Zwischen Himmel und Erde, Vokalmusik über Liebe, Licht und Dunkel; Daarler Vocal Consort; 1 CD Rondeau ROP 6034; 11/08 – 08/09 (56’40)

Geschrieben von: Pierre Schwickerath in "Pizzicato" Samstag, den 01. Mai 2010 um 01:00 Uhr

Wir können dieser CD, die nicht aufhört, uns zu begeistern und uns gefangen zu nehmen, in mehrfacher Hinsicht die höchste Auszeichnung verleihen. Der größte Teil unserer großen Bewunderung gebührt dem Vokalensemble „Daarler Vocal Consort", einem ganz jungen Ensemble, das sich in der ersten Hälfte des Jahres 2008 gebildet hat. Dieses gemischte achtköpfige Ensemble entpuppt sich als absolut meisterhaft in dem schwierigsten und heikelsten Repertoire: dem zeitgenössischen a-cappella-Gesang. Mit reiner Intonation, einer treffsicheren chorischen Homogenität und einem durch und durch ehrlichen musikalischen Ausdruck meistert das „Daarler Vocal Consort" die größten technischen Schwierigkeiten, um uns in bestechender Einfachheit die unbekannten und dennoch so unschätzbaren Werke der zeitgenössischen Vokalmusik zu präsentieren. Die Werke eines Will Todd oder eines Georg Grün sind mit der gleichen Natürlichkeit und der gleichen Meisterschaft gesungen wie die eines Maurice Duruflé, eines Max Reger oder, was besonders erstaunlich ist, eines Claude le Jeune. Aber unsere Bewunderung gebührt auch all den zeitgenössischen bekannten wie unbekannten Komponisten, ihrem unleugbaren Talent und ihrer tonsetzerischen Meisterschaft, die ihnen erlaubt, jedem auf seine Weise, mit dem harmonischen Vokabular und der kontrapunktischen Syntax unserer Zeit die allgemeingültigsten menschlichen und geistlichen Gefühle auszudrücken. Diese CD reißt uns mit vollem Recht aus unserer gewohnten Betrachtung der vergangenen Jahrhunderte, um uns die hervorragende Qualität der zeitgenössischen Vokalmusik zu zeigen.